Die Ursprünge in Mesopotamien (3. Jahrtausend v. Chr.)
In Ur (im heutigen Irak) stießen Archäologen auf Spielbretter aus der Zeit um 2600–2400 v. Chr., die oft zu den fernen Vorfahren des Backgammon gezählt werden. Auf diesen Brettern — dem „Königlichen Spiel von Ur“ — spielte man mit Steinen und „Würfeln“ in Form von Tetraedern.
Entdeckt wurde das „Königliche Spiel von Ur“ in den 1920er-Jahren bei Ausgrabungen von Sir Leonard Woolley. Das Originalbrett ist heute im British Museum in London ausgestellt. Eine deutlich spätere babylonische Keilschrifttafel (177 v. Chr.), von Irving Finkel am British Museum entziffert, überliefert Teile der Regeln.
Das antike Persien und das „Nard“ (6. Jahrhundert n. Chr.)
Die erste wirklich klare Beschreibung eines direkten Vorläufers des Backgammon steht in persischen Texten des 6. Jahrhunderts n. Chr. Nach dem mittelpersischen Text „Wizārišn ī čatrang“ erfand unter König Chosrau I. (531–579) der Weise Bozorgmehr das „Nard“ als Antwort auf das Schachspiel, das ein indischer König geschickt hatte.
Der Legende zufolge erfand ein Weiser am Hof Chosraus das Backgammon, um philosophisch zu veranschaulichen, wie das Schicksal (die Würfel) und der freie Wille (die Entscheidungen) zusammenwirken. Die 30 Steine standen für die Tage des Monats, die 24 Punkte für die Stunden von Tag und Nacht, die 12 Punkte jeder Seite für die Monate des Jahres.
In der persischen Tradition bildete das Backgammon-Brett das Universum ab. Die 30 Steine (15+15) standen für die Tage des Monats, ihre beiden Farben für Tag und Nacht, die 24 Punkte für die Stunden. Spielen war eine Meditation über Zeit und Schicksal.
Das antike Rom — das „Ludus Duodecim Scriptorum“
Die Römer kannten mehrere Tabula-Spiele, darunter das Ludus Duodecim Scriptorum („Spiel der zwölf Linien“) und die Tabula, beide mit dem Backgammon verwandt. Kaiser Claudius (10 v. Chr. – 54 n. Chr.) war ein leidenschaftlicher Spieler — er soll sogar ein Buch darüber geschrieben haben, das leider verloren ist.
In Pompeji zeigt ein Wandbild aus der Taverne des Salvius zwei Spieler, die sich über eine Partie streiten; im ganzen Römischen Reich fand man zudem in Stein geritzte Spielbretter.
Das Byzantinische Reich und die Verbreitung in der arabischen Welt
Nach dem Untergang Roms lebte das Tabula-Spiel im Byzantinischen Reich unter dem Namen Tabula weiter. In einem Text wird Kaiser Zenon (5. Jahrhundert) mit einer aussichtslosen Stellung seiner Steine erwähnt — sie gilt als die älteste überlieferte Spielstellung der Geschichte der Tabula-Spiele.
Mit der Ausbreitung des Islam im 7. und 8. Jahrhundert verbreitete sich das persische Nard im ganzen Nahen Osten und in Nordafrika. Manche muslimischen Theologen stritten wegen des Zufalls der Würfel über seine Zulässigkeit, doch das Spiel blieb in den islamischen Kulturen beliebt, oft in einer Form ohne Geldeinsatz.
Das europäische Mittelalter
Wahrscheinlich kam das Tabula-Spiel durch Kreuzfahrer und arabische Händler nach Westeuropa. Im Mittelalter spielte man es in allen Gesellschaftsschichten — vom Mönch bis zum Adligen. Illuminierte Handschriften des 13. Jahrhunderts zeigen Figuren an Brettern, die sich klar als Vorfahren des Backgammon erkennen lassen.
Die Kirche stand dem Spiel zwiespältig gegenüber — einige Konzilien untersagten es den Klerikern, trotzdem wurde in Klöstern gespielt. Die Könige von England, Frankreich und Spanien waren für ihre Leidenschaft für Tabula-Spiele bekannt.
Die Renaissance und das französische Trictrac
Im 16. Jahrhundert stieg das Trictrac in Frankreich zum Tabula-Spiel schlechthin auf. Sein Name erinnert an das Geräusch der Steine auf dem Brett. Es ist komplexer als das moderne Backgammon, kennt eine fortlaufende Wertung und sehr ausgefeilte Regeln.
Rabelais erwähnt das Trictrac, am Hof der Valois wurde es gespielt, und zahlreiche Spielabhandlungen beschreiben es. „Trictrac-Tische“ — Möbel, die Spieltisch und Schubladen vereinten — gehörten im Adel zu den luxuriösen Einrichtungsstücken.
Das englische „Backgammon“ (17. Jahrhundert)
Das Wort Backgammon taucht 1645 erstmals im Englischen auf. Seine Herkunft ist umstritten: „back“ (zurück) + „game“ (Spiel) oder vom walisischen „bach“ (klein) + „cammaun“ (Stäbchenspiel). Fest steht, dass die englischen Regeln des 17. Jahrhunderts den heutigen sehr ähneln.
Die Erfindung des Doppelwürfels (1920er-Jahre, New York)
Den Doppelwürfel erfanden in den 1920er-Jahren New Yorker Spielerkreise. Mit dieser Neuerung — der Einsatz lässt sich mitten in der Partie vervielfachen — veränderte sich das Backgammon von Grund auf. Aus einem netten Glücksspiel wurde eine tiefgründige strategische Disziplin mit einer intensiven finanziellen und psychologischen Dimension.
Die modernen Regeln festigen sich damals rund um den Würfel; die Crawford-Regel, die nur für Matches gilt, kommt erst später und geht auf John R. Crawford (1915–1976) zurück.
Das Revival der 1970er-Jahre
In den 1970er-Jahren erlebte das Backgammon eine spektakuläre Wiederbelebung, getragen von der internationalen Jetset-Gesellschaft. Luxuriöse Turniere wurden in Monte-Carlo, in Nassau (Bahamas) und in amerikanischen Casinos veranstaltet. Es war die Zeit der professionellen „Backgammon Players“, die im Flugzeug um die Welt reisten, um Partien mit hohen Einsätzen zu bestreiten.
Das erste große internationale Turnier richtete 1964 auf den Bahamas Prinz Alexis Obolensky aus, die erste „Weltmeisterschaft“ folgte 1967 in Las Vegas. Persönlichkeiten wie Paul Magriel („X-22“) veröffentlichten wegweisende Strategiebücher, die bis heute als Standardwerke gelten.
Das Computerzeitalter und die KI-Analyse
In den 1990er-Jahren erreichte die Software TD-Gammon (von Gerald Tesauro bei IBM entwickelt) dank maschinellem Lernen das Niveau der besten menschlichen Spieler. Anders als beim Schach, wo Deep Blue Kasparow mit roher Rechenleistung bezwang, lernte TD-Gammon, indem es Millionen von Partien gegen sich selbst spielte — ein revolutionärer Ansatz.
Heute spielen Programme wie GNU Backgammon und Extreme Gammon (XG) auf einem Niveau, das kein Mensch erreicht. Sie haben auch das Training verändert: Spieler lassen ihre Partien von einer KI analysieren, um ihre Fehler zu erkennen.
Backgammon heute
Man schätzt die Zahl der Backgammon-Spieler weltweit oft auf mehr als 100 Millionen. Seit 1979 findet jedes Jahr in Monte-Carlo eine Weltmeisterschaft statt. Bedeutende Turniere gibt es außerdem in Istanbul und Tokio.
Im Internet werden täglich Millionen von Partien gespielt. Auf Plattformen wie Backgammon Galaxy messen sich Spieler von allen Kontinenten und werden dank der Echtzeitanalyse besser.
Auch in Österreich hat das Spiel seine Anhänger — von Wien bis Innsbruck, im Kaffeehaus ebenso wie im Freundeskreis.
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