1. Das Spiel im Überblick
Ob im Wiener Kaffeehaus, im Vereinslokal oder am Küchentisch in Graz: Backgammon zählt zu den ältesten Brettspielen der Welt, seine fernen Vorläufer reichen fast 5 000 Jahre zurück, zwischen Mesopotamien und Persien. Es ist ein Strategie- und Glücksspiel für zwei Personen. Das Ziel ist schnell erklärt: Wer zuerst alle 15 eigenen Steine ins eigene Heimfeld gebracht und danach vom Brett abgetragen hat, gewinnt.
Den besonderen Reiz macht die Mischung aus Zufall (den Würfeln) und reiner Strategie aus. Auch mit schwachen Würfen findet ein guter Spieler oft einen Weg, den Schaden klein zu halten. Und wer gut würfelt, kann durch falsche Entscheidungen trotzdem alles verspielen.
Dass ein Experte einen Anfänger in einer einzelnen Partie schlägt, ist nur zu etwa 65–70 % wahrscheinlich. Über ein Match von 25 Partien liegen seine Siegchancen bei mehr als 90 %. Das macht den Zauber des Backgammon aus: Kurzfristig ist alles offen, langfristig zahlt sich Können aus.
2. Das Spielmaterial
Zu einem vollständigen Backgammon-Set gehören:
- Ein klappbares Brett, das in zwei Hälften geteilt ist
- 30 Steine (je 15 pro Farbe — traditionell schwarz und weiß oder braun und weiß)
- 4 Würfel (2 pro Spieler), am besten in Würfelbechern
- 1 Doppelwürfel (Würfel mit den Zahlen 2, 4, 8, 16, 32, 64)
- 2 Würfelbecher (oft sind sie in den Deckel integriert)
Eine Anleitung zur Auswahl Ihres Backgammon-Spiels samt Tipps für hochwertiges Spielmaterial finden Sie in unserer Kaufberatung.
3. Das Brett und die Punkte
Das Backgammon-Brett hat 24 Punkte (abwechselnd gefärbte Zungen, von 1 bis 24 nummeriert), die sich auf vier Felder zu je 6 Punkten verteilen:
- Eigenes Heimfeld (Punkte 1 bis 6): auch „Home Board“ oder Einsetzfeld genannt
- Eigenes Außenfeld (Punkte 7 bis 12)
- Außenfeld des Gegners (Punkte 13 bis 18)
- Heimfeld des Gegners (Punkte 19 bis 24)
Die Bar trennt die beiden Heimfelder von den Außenfeldern. Geschlagene Steine warten dort, bis sie wieder einsteigen können.
Alle Steine laufen stets in dieselbe Richtung — vom gegnerischen Feld in das eigene Heimfeld —, die beiden Spieler ziehen dabei in entgegengesetzte Richtungen.
4. Grundaufstellung
Die Ausgangsstellung ist für beide Seiten symmetrisch. So sieht die Standardaufstellung aus:
| Punkt | Anzahl Steine | Farbe |
|---|---|---|
| Punkt 24 (gegnerisches Heimfeld) | 2 Steine | Ihre Farbe |
| Punkt 13 (Mitte des gegnerischen Felds) | 5 Steine | Ihre Farbe |
| Punkt 8 (Mitte des eigenen Felds) | 3 Steine | Ihre Farbe |
| Punkt 6 (eigenes Heimfeld) | 5 Steine | Ihre Farbe |
Als Gedächtnisstütze dient 2-5-3-5 auf den Punkten 24-13-8-6. Der Gegner stellt seine Steine spiegelbildlich auf der anderen Seite auf.
Mehr dazu, mit kommentierten Skizzen, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Backgammon-Grundaufstellung.
5. Spielablauf
Wer beginnt, wird ausgewürfelt: Jeder wirft einen Würfel, und wer die höhere Augenzahl hat, eröffnet — und zwar mit beiden geworfenen Würfeln, nicht nur mit dem eigenen. Bei Gleichstand wird wiederholt.
Danach sind die Spieler abwechselnd am Zug. In jedem Zug gilt:
- Würfel im Becher schütteln und in die eigene Brettseite werfen
- Steine entsprechend den gewürfelten Augen ziehen
- Ist ein regelgerechter Zug möglich, muss er gespielt werden (freiwilliges Aussetzen ist nicht erlaubt)
Lässt sich nur einer der beiden Würfel spielen, müssen Sie nach Möglichkeit den höheren nehmen. Einen Zug verlieren Sie nur dann, wenn er tatsächlich unmöglich ist.
6. Ziehen der Steine
Jeder Würfel zählt als eigener Zug. Mit einer 3 und einer 5 können Sie:
- einen Stein um 3 Felder UND einen anderen (oder denselben) Stein um 5 Felder ziehen
- oder einen einzelnen Stein um 8 Felder ziehen (3+5), sofern die dazwischenliegenden Punkte betretbar sind
Ein Stein darf auf einem Punkt landen, der:
- leer ist
- mit einem oder mehreren Steinen Ihrer Farbe besetzt ist
- nur von einem einzigen gegnerischen Stein besetzt ist (dann schlagen Sie diesen Stein)
Auf einem Punkt mit 2 oder mehr gegnerischen Steinen darf ein Stein nicht landen. Für Sie ist dieser Punkt „geschlossen“.
Pasch
Zeigen beide Würfel dieselbe Zahl (Pasch), spielen Sie diesen Wert viermal statt zweimal. Mit einem Pasch 4-4 haben Sie also vier Züge zu je 4 Feldern. Das ist oft sehr stark!
7. Schlagen und Bar
Steht auf einem Punkt nur ein einzelner Stein, nennt man ihn Blot; er ist angreifbar. Landet der Gegner auf diesem Punkt, wird Ihr Stein geschlagen und auf die Bar (die Mittellinie des Bretts) gelegt.
Sobald ein oder mehrere Steine von Ihnen auf der Bar liegen, ist Eile geboten: Sie müssen zuerst alle diese Steine einsetzen, bevor Sie irgendeinen anderen Zug machen dürfen.
8. Einsetzen von der Bar
Um einen Stein von der Bar einzusetzen, bringen Sie ihn in das gegnerische Heimfeld (Punkte 1 bis 6 des Gegners, aus Ihrer Sicht die Punkte 19 bis 24). Die Augenzahl des Würfels bestimmt den Einsetzpunkt:
- Würfel 1 → Ihr Punkt 24 (Punkt 1 des Gegners)
- Würfel 6 → Ihr Punkt 19 (Punkt 6 des Gegners)
Sind alle in Frage kommenden Punkte geschlossen (2 oder mehr gegnerische Steine), können Sie nicht einsetzen und müssen aussetzen.
Zu den gefürchtetsten Manövern im Backgammon zählt es, möglichst viele Punkte im eigenen Heimfeld zu schließen, während ein gegnerischer Stein auf der Bar liegt — man spricht vom „Schließen des Heimfelds“: Die 6 geschlossenen Punkte bilden dann eine „volle Prime“, die der Stein auf der Bar nicht mehr überwinden kann.
9. Abtragen der Steine (Bearing off)
Stehen alle 15 Steine in Ihrem Heimfeld (Punkte 1 bis 6), dürfen Sie beginnen, sie vom Brett abzutragen. Diese Schlussphase heißt auf Englisch „Bearing off“.
Für das Abtragen gilt:
- Die Augenzahl muss genau dem Punkt des Steins entsprechen, oder
- steht auf dem genauen Punkt kein Stein, müssen Sie diesen Würfel spielen, indem Sie einen Stein von einem höheren Punkt ziehen (sofern dort einer steht)
- ist die Augenzahl größer als der höchste besetzte Punkt, tragen Sie den Stein vom höchsten besetzten Punkt ab
Achtung: Wird während des Abtragens einer Ihrer Steine geschlagen, müssen Sie ihn von der Bar einsetzen, BEVOR Sie weiter abtragen dürfen.
10. Spielende und Wertung
Wer zuerst alle 15 Steine abgetragen hat, gewinnt die Partie. Wie viel der Sieg zählt, hängt von der Lage des Gegners ab:
- Einfacher Sieg (1 Punkt): Der Gegner hat mindestens einen Stein abgetragen
- Gammon (2 Punkte): Der Gegner hat keinen Stein abgetragen
- Backgammon (3 Punkte): Der Gegner hat keinen Stein abgetragen UND hat noch einen Stein in Ihrem Heimfeld oder auf der Bar
Diese Werte werden mit dem aktuellen Stand des Doppelwürfels multipliziert, falls er im Spiel war.
11. Der Doppelwürfel (Überblick)
Der Doppelwürfel gehört als eigenes Element zum Backgammon-Material. Anfänger übersehen ihn gern, im ernsthaften Spiel ist er jedoch grundlegend. Zu Beginn liegt er in der Mitte, die Seite „64“ zeigt nach oben (neutrale Position). Solange der Würfel in der Mitte liegt, kann jeder Spieler zu Beginn seines Zuges und vor dem Würfeln anbieten, den Einsatz zu verdoppeln; danach darf nur noch der Besitzer des Würfels erneut doppeln. Der Gegner nimmt an (das Spiel läuft mit doppeltem Einsatz weiter) oder lehnt ab (und verliert die Partie zum bisherigen Einsatz).
Eine ausführliche Erklärung samt fortgeschrittenen Strategietipps bietet unsere Seite zum Doppelwürfel.
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Strategie entdecken →Häufige Fragen zu den Regeln
Dürfen mehr als 5 Steine auf demselben Punkt stehen?
Was passiert, wenn Würfel vom Brett fallen oder schlecht geworfen werden?
Darf man darauf verzichten, einen gegnerischen Stein zu schlagen?
Was passiert, wenn ich einen ganzen Zug aussetzen muss?
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