Die Varianten des Backgammon

Vom Trictrac von Versailles zum Jacquet der Familien — Backgammon in all seinen kulturellen Spielarten

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Inhaltsverzeichnis

  1. Die Familie der Tabula-Spiele
  2. Jacquet — die französische Variante
  3. Trictrac — der noble Vorfahre
  4. Narde — die russische Variante
  5. Tavla — das türkische Backgammon
  6. Acey-Deucey — die amerikanische Version
  7. Plakoto — die griechische Variante
  8. Hypergammon und moderne Varianten
  9. Vergleichstabelle

1. Die Familie der Tabula-Spiele

Backgammon in seiner heutigen Form ist nur ein Zweig einer großen Spielefamilie, der „Tabula-Spiele“ (französisch „jeux de tables“). Gemeinsam ist ihnen der Grundaufbau: ein in 24 Punkte geteiltes Brett, zwei Sätze zu je 15 Steinen und zwei Würfel. Die Regeln weichen von Kultur zu Kultur aber erheblich voneinander ab.

In Frankreich beherrschte über Jahrhunderte das Trictrac die Spieltische, ehe im 19. Jahrhundert das Jacquet übernahm. Im Osmanischen Reich war es das Tavla, in Russland die Narde, in Griechenland das Plakoto. An diesen Varianten sieht man, wie ein Spiel durch die Zivilisationen wandert und sich dabei wandelt.

2. Jacquet — die französische Variante

Das Jacquet war lange die beliebteste Variante in Frankreich und in Familienrunden stärker verbreitet als das Standard-Backgammon. Seine Grundregel: Alle 15 Steine jedes Spielers starten auf demselben Punkt, dem „Talon“ (für Sie Punkt 24); die beiden Spieler starten in gegenüberliegenden Ecken und ziehen in dieselbe Richtung.

Besondere Regeln des Jacquet

Strategie im Jacquet

Da man nicht schlagen kann, ist das Jacquet ein reines Rennen mit Hindernissen. Die Kunst liegt darin, dem Gegner den Weg zu versperren, indem man strategische Punkte besetzt, und zugleich die dichte Kolonne aus 15 Steinen geschickt zu verwalten.

Historische Anekdote:

Das Jacquet taucht in Frankreich erst um 1800 auf und kam aus Spanien (das kastilische „chaquete“, hervorgegangen aus dem 1638 belegten katalanischen „jaquet“). Im 17. und 18. Jahrhundert herrschte am Hof von Versailles das Trictrac; das einfachere Jacquet setzte sich danach in den Familien durch, bis Mitte des 20. Jahrhunderts.

3. Trictrac — der noble Vorfahre

Das Trictrac ist ein französisches Tabula-Spiel, das mehrere Jahrhunderte lang gespielt wurde, ehe es im 19. Jahrhundert aus der Mode kam. Es ist viel komplexer als das Standard-Backgammon und stellt „Punkte“ in den Mittelpunkt, die man im Lauf der Partie erzielt — nicht erst am Ende.

Besonderheiten des Trictrac

Das Trictrac hatte bis Anfang des 19. Jahrhunderts zahlreiche Liebhaber im französischen Adel und Bürgertum.

4. Narde — die russische Variante

Die Narde (auch „Lange Narde“ oder „Long Nard“ genannt) ist die vorherrschende Variante in Russland, im Kaukasus und in weiten Teilen Zentralasiens. Wie beim Jacquet ist das Schlagen verboten.

Regeln der Narde

5. Tavla — das türkische Backgammon

Das Tavla (oder „Tavli“) spielt man in der Türkei und im ganzen Nahen Osten. Der Begriff steht auch für eine Spielefamilie: In Griechenland reiht das „Tavli“ in einem Match drei Spiele aneinander, Portes (dem Backgammon nahe), Plakoto und Fevga; in der Türkei spielt man neben dem klassischen Tâvla auch Mahbusa (entspricht dem Plakoto) und Gülbahar (dem Fevga nahe).

Das Standard-Tâvla

Die Regeln des Standard-Tâvla ähneln dem westlichen Backgammon sehr, mit einigen Unterschieden:

6. Acey-Deucey — die amerikanische Version

Das Acey-Deucey ist eine beliebte Variante in den Vereinigten Staaten, vor allem in der US Navy. Der Name geht auf den Spezialwurf „Ass und Zwei“ (englisch 1-2) zurück, den stärksten Wurf des Spiels.

Regeln des Acey-Deucey

Die 1-2 im Acey-Deucey:

Ein Acey-Deucey kann eine Partie völlig auf den Kopf stellen. Sie können zum Beispiel einen Pasch 6-6 wählen (vier Züge zu je 6 Feldern) und danach noch einmal würfeln! Das hängt stark vom Zufall ab, macht aber ungeheuer viel Spaß.

7. Plakoto — die griechische Variante

Das Plakoto ist eine der drei Varianten des griechischen Tavli (neben Portes und Fevga). Das Besondere daran: Steine werden nicht geschlagen und auf die Bar gelegt — sie werden an Ort und Stelle blockiert.

Die Blockregel im Plakoto

Landet Ihr Stein auf einem gegnerischen Blot, nagelt er ihn fest. Der festgenagelte Stein kann sich nicht bewegen, solange Ihr Stein auf demselben Punkt bleibt. Ziehen Sie Ihren Stein weg, ist der Gegner befreit. Wenn Sie genügend Steine zum Ziehen haben, können Sie sogar mehrere gegnerische Steine gleichzeitig festnageln!

Eine weitere reizvolle Regel: Nagelt der Gegner Ihre „Mutter“ (Ihren letzten auf dem Startpunkt 24 verbliebenen Stein, im gegnerischen Heimfeld) fest, verlieren Sie die Partie sofort, in der Regel doppelt gewertet. Der Name des Spiels stammt vom Verb „πλακώνω“ (plakóno), „zudecken, erdrücken“.

8. Hypergammon und moderne Varianten

Moderne Spieler haben neue Varianten für schnellere und intensivere Partien erfunden:

9. Vergleichstabelle

VarianteHerkunftSchlagenStartaufstellungDoppelwürfel
BackgammonInternationalJa2-5-3-5Ja
JacquetFrankreichNein15 auf P. 24Nein
TrictracFrankreichSchlagen ohne Entfernen (Punkte)15 auf dem TalonNein
NardeRussland/KaukasusNein15 auf P. 24 und P. 12Nein
TavlaTürkeiJa2-5-3-5Nur in Turnieren
Acey-DeuceyUSAJaLeeres BrettNein
PlakotoGriechenlandBlockieren15 auf P. 24Manchmal

Die Geschichte dieser Spiele kennenlernen

Wie haben sich diese Varianten über Kontinente und Jahrhunderte verbreitet? Unser historischer Ratgeber führt Sie von Sumer bis in die Gegenwart.

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